Als die POLIZEI das Haus aufbrach schlief ich mir noch den Rausch aus. Mir war klar, daß ich eigentlich nach einer Überdosis Heroin mit Alkohol zusammen getrunken nicht mehr leben dürfte und deshalb ist diese ganze Geschichte eigentlich ein Unsinn. Ich lag immer noch im Blut meines homosexuellen Freundes, den ich Gestern mit einem Kassettenrekorder erschlagen hatte, als er anfangen wollte, mich zu befummeln. Im Kassettenrekorder lief gerade ein Lied von Led Zeppelin, das mir bei dem dumpfen Aufprall auf seinen Kopf mit einem höflichen Rülpser klarmachte, daß ich das nächste Lied selbst singen müßte. Das Blut war inzwischen trocken und mein Freund steif geworden. Meine Freundin lebte noch; nun, ich nahm, als ich von einem POLIZEISTIEFEL unhöflich mit einem Tritt in die Nieren geweckt wurde, war, daß sie offensichtlichgerade ihre Periode bekommen hatte, denn mein Unterleib und meinT-Shirt waren von ihrem Blut getränkt. Die POLIZEI zog sie von mir herunter, nahm mich feinfühlich in den Arm, in dem sie sehr feinfühlig jede Stelle ertasteten, an der es mir weh tat. Der eine POLIZIST hatte einen langen Rüssel, mit dem er im hartgewordenen Blut herumstocherte. Zusätzlich hatte er statt Haaren lange Leitungen, aus denen eine ätzende Flüssigkeit tropfte.
Wenn ich nicht gewußt hätte, daß alles nicht wahr sein konnte, hätte ich sicherlich angefangen zu kotzen. Mit den POLIZISTEN war auch ein anderer MANN hereingekommen. Er hatte sich sofort an einen Tisch gesetzt und hatte angefangen zu schreiben. Das ging nicht schwer, denn er hatte stett zweier Hände eine Schreibmaschiene. Er war ein typischesBeispielfür ein perfektes INDIVIDUUM - er konnte nichts machen außer schreiben. Da bei der POLIZEI grundsätzlich nur perfekte INDIVIDUEN eingestellt wurden, waren auch alle anderen so oder so ähnlich gebaut: Das INDIVIDUUM (ID), das mich jetzt abführte, hatte zwei leicht nach hinten versetzte Arme und statt Händen Handschellen. So ging ES jetzt vor mir her. Die Handschellen fühlten sich von innen an wie Stahlklammern, die mit Weichgummi überzogen waren. Ekelhaft! Ein weiteres ID kam nun auf mich zu. ES hatte nur einen Arm, bei dem die Haut ungefähr beim Ellenbogen aufhörte und von einem reinen Knochen abgeschlossen wurde, der die Form einer Keule hatte. Warscheinlich konnten sie kein ID mit einer Beteubungspistole auftreiben.
Als ich wieder aufwachte war ich von einer Menschenmenge umgeben. Ich war in Ketten an eine Mauer gefesselt. Diesmal meinten sie es also ernst! Ich kannte das was jetzt kam nur zu gut. Ich hatte schon oft aus einem dieser Busse mit schuß-sicheren Scheiben diesem Schauspiel beigewohnt, und es hatte mich immer abgeschreckt. Soweit ich wuste lief das ganze so ab: Wenn das Wach-ID merkte, daß ich aufgewacht bin, fängt die GROSSE UHR an zu ticken. Eine halbe Stunde hatte man nun Zeit, sich zu erholen. Doch geschicktenweise hatte man Ort und Zeit so gewählt, daß ich immer in der Sonne stand, das Publikum aber nie. Es bestand übrigens zu 99% aus UN-ID´s. Das war die arbeitende Bevölkerung. Alle Staatsgewalt ging von ihr aus, doch sie war so egoistisch, daß die, die einmal mächtig waren es auch immer bleiben werden. Als ich einen Gong hörte, wußte ich, SIE hatten begonnen. Die SPIELE. Plötzlich waren meine Fesseln offen. Ich hatte nun noch fünf Minuten. Ich lief. Ich lief, lief und lief. Von diesem Augenblich an sah ich nur noch die Straße. Ich hörte nur noch meine Schritte. Und plötzlich noch etwas anderes. Es war wie ein Gewitter, das bei jedem Donnerschlag näher kam. Und ich konnte es Spüren. Ein mit zehn ID´s besetzter Panzerlastwagen fuhr hinter mir, doch Lastwagen ist eigentlich nicht das richtige Wort für dieses Monster. Es ist ebenfalls ein ID, diese Rasse wurde extra für die SPIELE gezüchtet. Ich kannte mal einen, der als Botenjunge in einem dieser LOBORATORIEN arbeitete. Es muß dort schrecklich zugehen. Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Arbeit darauf gelegt, daß die ID´s keinen willen haben, über ihre eigene Existenz nachzudenken. Das könnte Religionen und ähnliche Gruppen hervorrufen, mit denen man schon bei den UN-ID´s große Schwierigkeiten hatte. Ich würde ja gerne noch weiter auf unser Staatssystem eingehen, aber dazu bleibt mir kaum noch Zeit.
Da fuhren nun also insgesamt elf ID´s hinter mir her und ich versuchte mich vor ihnen zu verstecken. Ich wußte natürlich, daß ich kaum eine Chance hatte, aber alleine um dem Publikum nicht den Spaß zu verderben, lief ich. Dieses Publikum fuhr nun neben mir. Und ich konnte genau die fettwanzigen Familienväter erkennen, die ihren erstgeborenen Söhnen diese Fahrt zum Geburtstag geschenkt hatten, natürlich gleich inklusiv einer Autokatikkamera, um dieses Geschehen und damit mich in ihrem Familienalbum zu verewigen. Ich blickte also kurz in all diese schwarzen Löcher, lächeste kurz und konzentrierte mich dann wieder ganz darauf, zu sterben.
[
Mir graute bei dem Gedanken daran, daß sie nachher alle aussteigen werden, um mich zu zerreißen und meine im Todeskampf verlorenen Exkremente in Glasflaschen zu stecken, um sie ihren Frauen zu schenken, die sie dann auf dem Kaminsiems aufstellen werden, mit einem schwarz-goldenen Schild davor mit meinem Namen und dem Tag, an dem die Familie dieses Erlebnis gehabt hatte.
]
Alles war natürlich so getimed worden, daß ich keine Möglichkeit zur Flucht hatte, aber sie hatten nicht damit gerechnet, daß dieses bioelektronische Ungeheuer hinter mir seinem gnadenlosen Dasein selbst ein Ende setzten würde. Es bekam einen Herzschlag. Das kam mir natürlich sehr zu Gunsten. Denn die perfekten ID´s waren nicht dafür aus der Retorte geholt worde, um hinter gewöhnlichen MENSCHEN, den niedrigsten Geschöpfen unter der künstlichen, atomreaktorgestützeten Sonne, derzulaufen.
So entkam ich also. Die Kinder und Väter schauten mir traurig hinterher, als ich die Ziellinie überschritt.
p.s.: Wie bei jedem „Happy End“ macht es nur der Zusatz „End“ möglich, daß nämliches „Happy“ ist. Würden wir hier weitererzählen, kämen wir unweigerlich zu einem „Bad End“, doch da es die erste meiner Geschichte mit einem potentiellen „Happy End“ ist, möchte ich es nicht ändern