Kannst du dich noch erinnern, es mag Wochen oder auch Jahre her sein, ich habe die Tage nicht gezählt. Du hattest es in der Früh eilig, in die Arbeit zu kommen, dein Wagen fuhr schnell, und darauf warst du auch stolz, denn es war deiner Hände Arbeit, die das geschafft hatte. Nicht weit von dem Ort entfernt, den du noch bis vor kurzem dein Zuhause nanntest, lief dir ein hase über den Weg, doch du warst zu schnell, um noch zu bremsen. Ein leiser Fluch glitt über deine Lippen, doch nicht aus Mitleid mit der Kreatur, deren Leben du gerade ausgelöscht hattest, sondern aus Verachtung und Haß. Du hattest einen anstrengenden Tag, und trotz der Befriedigung, die du erneut erfahren hattest, sehntest du dich doch nach dem Feierabend. Du dachtest daran, deine Freundin von der Arbeit abzuholen, und mit ihr zu dir zu fahren. Du dachtest an die Pläne, die ihr beiden noch miteinander hattet: Ihr wolltet zusammenziehen, eine Familie gründen. Als du mit ihr auf dem Heimweg warst, seid ihr an jener Stelle vorbeigefahren. Deine Freundin sah den Hasen, du nicht. So hast du ihn zum zweiten Mal überfahren, während du dich noch über den kurzen Aufschrei deiner Freundin gewundert hast. Auf einmal merktest du, wie dir kalt wurde, doch du ignoriertest es. Bei dir zu hause angekommen seid ihr hineingegangen und habt es euch gemütlich gemacht, doch lange wehrte deine Ruhe nicht. Du hast einen Spaziergang gemacht, alleine, versuchtest nachzudenken, was wohl geschehen war. Du tratst auf eine Schnecke, und das Knacken, als ihr Haus zerbrach, war lauter als das Dröhnen der Autos auf der nahe gelegenen Schnellstraße. Unfähig, die danach eintretende Stille zu ertragen, gingst du wieder nach hause
Original verschollen, aufgezeichnet nach einer Tonbandaufnahme eines Konzerts von „THE MOLE“ – Live auf dem Gautinger Kulturspektakel