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Daguerrereotypisches Leben

Als ich neulich einmal versuchte, den Drachen zu töten, den du mir in meinen Morgenkaffee legtest, mußte ich feststellen, daß er mir leid tat. Ich zog ihn an seinem kleinen roten Schwanz aus der braunen Brühe und als ich ihn abschüttelte, um ihn genauer betrachten zu können, sah er mich flehend mit seinen grünen Augen an, als wolle er mir sagen, ich bin doch unschuldig. Ich lies ihn frei, schenkte ihm das, was du ihm genommen hast. Dann ging ich in den Raum, in dem du tagsüber dein Haupt auf einem Kissen aus Schlangenköpfen bettest, die dir während des Schlafes in deine Wangen beißen, um dir ihr Gift einzuverleiben, das du dann tagsüber versprühen kannst. Ich öffnete deinen Schrank und nahm den kindlich bemalten Schuhkarton heraus, in dem all die toten Käfer liegen, die du im Laufe deines Lebens noch essen wolltest, und warf sie aus dem Fenster. Unten sah ich Nachbars Katze, die nach ihnen schnappte und kurz darauf verendete. Das auf den Karton gemalte Familienbild riß ich heraus und köpfte die Personen mit meinem Taschenmesser, um sie dann ins Klo zu spülen. Die Daguerrestereoreotypie, die dein entstelltes Geschlechtsorgan zeigt, blickte ich lange durch die beiden Löcher hindurch an, und ich spürte, wie wieder eine Erregung durch meinen Körper flutete, doch ich blickte durch die trüben Fensterscheiben auf die toten Bäume, die sich in deinem Garten wie Soldaten vor einem Lazarett aufgestellt haben, wissend, daß sie nicht Heilung sondern Euthanasie erwartet, und langsam kam das Denken wieder zum Vorschein. Ich zerstörte auch die Daguerrereotypien und das Schlangenkopf-kopfkissen, lüftete durch und merkte, wie deine Energie, die mich so lange gefangen gehalten hatte, mit der abgestandenen Luft langsam dein Domizil verließ. Ich war frei.

Ich verließ mein Verlies und stürzte mich zum ersten Mal in meinem Leben ins Getümmel, ins Leben, in die Menschheit, und ich ging mit einem Lächeln auf meinem Gesicht durch die hellen Straßen, auf denen freundliche Menschen ihre weißen Zähne zeigten und Goldschmuck feil boten. Ich betrat einen Laden, der orientalische und afrikanische Früchte verkaufte und erstand eine süßlich duftende Kugel, die mir ihren Saft ins Gesicht spritzte als ich hineinbiß, und als ich die jugendliche Verkäuferin um ein Tuch bat, blickten wir uns tief in die Augen und lachten. Als sie mir den Zellstoff reichte, berührten sich unsere Häute leicht, und ich spürte die Wärme, die von ihrer ausging. Sie bat mich, etwas zu bleiben, und ich setzte mich vor den Laden und sah den bazarischen Tätigkeiten der Menschen, deren Haut einen etwas dunklen Teint hatte, die sich zwar anschrien, doch nur, um sich verständlich zu machen, zu. Es lag keine Aggression in der Luft. Als die Zeit für die Mittagsruhe gekommen war, schloß sie den Laden und wir gingen gemeinsam vor die Tore der Stadt, und machten es uns mit dem Picknickkorb, den sie mitgebracht, auf einer etwas sandigen Wiese bequem. Als sie ihre Hand auf meine Elle legte sah ich die feinen Äderchen, die blau durch die Haut schimmerten, und als sich ihre Fingernägel in mein Fleisch bohrten und mein rotes Blut die feinen Härchen, die ihrer Haut entsprossen, tränkten und sie sie ableckte, sah ich, daß ihre Zunge gespalten und mit grünen Schuppen besetzt war. Ihr lachen dröhnte in meinem Kopf wieder, und die tieffrequente Schwingung paralysierte mich. Sie öffnete meine Hose und die Schuppen ihrer Zunge scheuerten die empfindliche Haut durch und sie begann mich auszusaugen. Trotz dem war es für mich kein Problem, meine Erregung körperlich zu zeigen, und als sie das merkte, hob sie ihren Rock, und ich erkannte sie. Und während ich darum kämpfte, mein Bewußtsein zu verlieren, um mir zu ersparen, was ich bereits erlebt hatte, hörte ich deine Stimme sagen : Ha, wir kennen uns ja schon.