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NACHTSCHWARM

EIN KURZFILM - PROJEKT

von Thomas Forster

—-doubledot

Bild I: Michaels Zimmer I/N

Michael liegt in einem Bett und schläft. Es ist dunkel, nur das Mondlicht erhellt sanft sein Gesicht. Wir hören eine Tür, dann geht das Licht an, jemand schreitet langsam durch das Zimmer. Dieser versucht offenbar, etwas leiser zu sein, als es sonst seine Gewohnheit ist, doch er ist betrunken und es gelingt ihm nicht unbedingt. Das Licht geht wieder aus. Man hört, wie er sich auszieht. Michael schläft noch immer. Dann fällt dem anderen etwas herunter (Schlüssel), er flucht leise. Michael bewegt sich etwas im Bett. Alles wieder ruhig. Der andere hält sogar die Luft an. Dann beginnt er wieder zu atmen, wobei er ersteinmal tief Luft holt und einige Male geräuschvoll ein und aus atmet. Als sich sein Atem beruhigt hat, beginnt er wieder, sich zu bewegen, doch er stolpert sofort über irgendetwas. Michael wacht auf, er dreht sich um und blickt in den Raum. Ein sehr kleines Zimmer, ein kleiner Schreibtisch mit Hocker, ein winziger Schrank, und mitten im Zimmer steht eine Gestalt, die sich gerade die Hosen auszieht.Fußnoten => 1 Jedenfalls versucht er das. Als er gerade auf einem Bein steht, fällt er um. Michael dreht sich wieder um und versucht, sich die Ohren zuzuhalten. Schließlich kriecht der Andere zu ihm ins Bett (er legt sich auf die dem Zimmer zugewandten Seite) und schläft sofort ein, wobei er geräuschvoll schnarcht.


Bild II: Die Party I/N

Ein junges Mädchen liegt in Embryonalstellung auf einem Sofa und schnarcht geräuschvoll. Irgendwo im Hintergrund unterhalten sich einige Politik & Jurastudenten über irgendein belangloses Thema (Nicht verständlich). Jemand öffnet die rechte Schiebetür (= diese wird zur Wand hinter dem Mädchen, die linke ist bereits geöffnet, so daß sich nun die Wand hinter ihr geschlossen hat). Er setzt sich zu ihr, wegen des Bildausschnitts sieht man nur seine Beine und Bauch. Er hat ein halb gefülltes Weinglas in der rechten Hand (ihr Kopf liegt zu seiner Linken). Er setzt sich zwischen ihre Arme und Beine. Er hat schon geredet bevor wir ihn wahrnehmen. Nachdem er sich gesetzt hat, fährt er fort, doch nun spricht er offenbar sie an:

Der andere Mann »

Ich weiß nicht mehr, wie besoffen ich war, aber ich war sehr besoffen, und das will was heißen, ich bin nämlich gewohnt zu trinken. Ich glaube, meinen ersten Rausch hatte ich mit 12, ich hab aber noch nie gekotzt. Nicht mal an meinem 18ten Geburtstag, und ich glaub, ich war noch nie so besoffen wie da.

Ich war auf jeden fall tierisch besoffen.

Ich war schon auf meinem Zimmer und wollte mir eigentlich nur meinen Rausch ausschlafen, da klopft es plötzlich, und diese Frau steht in der Tür.


Bild III: Michaels WC / Zimmer I/N

Michael steht auf dem Klo und pißt ewig.2)2 [Licht nur von außerhalb]3)3, offenbar hat er Probleme mit der Helligkeit. Das pissen tut ihm offenbar gut. Er geht aus dem Bad und blickt um eine Mauerecke herum auf den Anderen, der immer noch in seinem Bett liegt und schläft. Wir sehen sein Gesicht nicht, es ist aber ein Mann. Michael seufzt und legt sich wieder neben ihn, wobei er vom Fußende her zwischen den Anderen und die Wand kriecht.


Bild IV: Die Party I/N

Genau die gleiche Einstellung wie zuvor, nur spiegelverkehrt eingerichtet, auch das Mädchen liegt spiegelverkehrt. Die Räume selbst allerdings sind nicht spiegelverkehrt. Der Typ redet immer noch:

Der andere Mann »

Meinst du, die hätte gewartet, bis ich ihr ein Glas gebe? Nix da, die nimmt sich die Flasche, und sie saugt daran, bis sie den Korken zwischen den Zähnen hat, den spukt sie mir dann vor die Füße und trinkt die halbe Flasche leer. Ich hab gleich gewußt, daß sie ´s braucht, denn das hab ich noch immer gemerkt, egal wie besoffen ich war.

"Ich weiß nicht mehr, wie besoffen ich war, aber ich war sehr besoffen, und das will was heißen, ich bin nämlich gewohnt zu trinken. Ich glaube, meinen ersten Rausch hatte ich mit 12 [...]

Und während er wieder von vorne anfängt, steht er auf und geht. Das Mädchen hat seine Stellung nicht einen Millimeter verändert.


Bild V: Michaels Zimmer I/N

Michael sitzt an seinem Schreibtisch. Er schaut auf sein Bett, in dem noch immer der Andere schläft. Er nimmt einen Zigarettenstummel, der noch ziemlich gerade ist, aus dem Aschenbecher und zündet ihn sich an. Er beginnt, ihn rückwärts zu rauchen, in dem er Rauch einatmet und in die Zigarette bläst, die ein Stückchen länger wird.


Bild VI: Die Party I/N

Das Mädchen liegt nun (nicht - Spiegelverkehrt), auf dem Rücken und hat den Hals überstreckt auf der rechten Armlehne liegen, die geschlossenen Augen nach oben gerichtet. [Sie sieht ein bißchen aus, als hätte sie gerade eine unangenehme sexuelle Erfahrung gemacht; ihre Hose steht noch etwas offen, sie ist oben ohne, hat von ihrem Top nur noch ein paar zerfetzte Träger an.] Ein anderes Mädchen geht durch die linke Schiebetür und schließt diese hinter sich (nicht ganz, so daß der Hintergrund nur als Spalt zu sehen ist, der gerade breit genug ist, um den kleinen Tisch im Jugendstil zum Vorschein zu bringen, an dem zwei Bekleidete Schaufensterpuppen sitzen. Das zweite Mädchen setzt sich zu ihnen und erstarrt selbst auch.


Bild V a): Michaels Zimmer I/N

Michaels sitzt noch immer an seinem Schreibtisch und raucht die Zigarette rückwärts. Wenn sie wieder ganz ist, drückt er sie aus und legt sie in ein leeres Zigarettenetui. Dann legt er sich wieder hin, wie beim letzten Mal.


Bild VII: Die Party I/N

Das Mädchen liegt immer noch wie vorher. Jemand steht neben ihrem Kopf und tropft von einer Kerze Wachs auf ihre Stirn. Sie zuckt nicht einmal. Sobald genug Wachs auf ihrer Stirn ist, stellt er die Kerze darauf. Die linke Schiebetür ist nun wieder geöffnet (= Wand hinter dem Mädchen), die rechte genau entgegengesetzt geöffnet (= nur die Türen sind spiegelverkehrt).


Bild VIII: Michaels Zimmer I/N

Michael holt sich einen runter (im Bett liegend mit Bettdecke drüber).


Bild IX: Die Party I/N

Wir blicken über den Kopf des Mädchens hinweg, das immer noch die Kerze auf der Stirn hat, die aber schon stark heruntergebrannt ist. Hinter ihr sitzt ein Pärchen an einem Tisch und unterhält sich, wobei sie sich verliebt in die Augen schauen und Händchen halten. Es wirkt, als wäre die Kerze auf dem Kopf des Mädchens zwischen den beiden. Der Typ spricht – völlig entgegengesetzt zu seinem Gesichtsausdruck und der Stimmung des Bildes – den Text von vorhin. Doch diesmal erzählt er weiter:

Der andere Mann »

Ich habe gleich gemerkt, daß sie ´s braucht, denn das hab ich noch immer gemerkt, egal wie besoffen ich war. Ich hab sie fest in den Arm genommen, ihr einen langen Kuß gegeben, und dann hat sie sich ausgezogen.

Verlegene Pause, %dann selbstsicher weiter. var>

Nachdem ich ihre blank rasierte Muschi gestreichelt hab, haben wir es getrieben bis zum Morgen


Bild X: Michaels Zimmer / WC I/T

4)4

Es ist Morgen geworden und Michael5)5 wacht gerade auf. Niemand liegt neben ihm. Er geht ins Bad und pinkelt ersteinmal ewig. Er kommt wieder aus dem Bad. Er setzt sich an seinen Schreibtisch. Er sieht verkatert aus. Er blickt auf das Zigarettenetui, schüttelt den Kopf. Er greift nach einer Zigarettenschachtel, doch sie ist leer. Er öffnet seinen Geldbeutel und leert das Münzfach aus. Es kommen nur ein paar Münzen zum Vorschein - nichts silbernes darunter.

Michael »

Fuck.

Er greift nach dem Zigarettenetui und beginnt - mit nachdenklicher Mine - es auf und zu schnappen zu lassen, ohne hineinzusehen. Irgendwann entdeckt er, daß noch eine Zigarette drin ist.6)6 Er nimmt sie, betrachtet sie verwundert, schüttelt den Kopf und zündet sie sich an. Schon geht es ihm sichtlich besser.


Bild XI: Flur vor Michaels Zimmer I/T

Michael kommt angezogen aber schäbig und ungewaschen aus seinem Zimmer und sperrt ab.7)7 Er geht durch einen kurzen Flur.

[Dieses Bild wird voraussichtlich komplett gestrichen, die Attribute, die Michaels hier zugeordnet werden, finden ihre Einführung dann im nächsten Bild.]


Bild XII: Die Party I/T

Michael kommt durch eine Tür in den Partyraum. Alles ist leer, kein Mensch zu sehen, doch es herrscht das Chaos. Irgendwo brennt eine Kerze. Das Mädchen mit der Kerze ist wieder zu sehen. Die Kerze ist fast abgebrannt. Im Hintergrund geht Michael vorbei. Plötzlich fährt das Mädchen hoch und schlägt sich auf die Stirn.

Das Mädchen »

Fuck.

Die Kerze ist sofort aus. Sie betrachtet nachdenklich ihre Hand und entfernt dann die Reste des Wachses von Hand und Stirn. Hinter ihr steht Michael. Er blickt sie an, sie blickt zurück. Er tippt sich an die Stirn, woraufhin sie sich noch ein Stück Wachs aus den Haaren an ihrer Schläfe entfernt.


Bild XIII: Die Party I->A/N

Die Party geht weiter, es ist wieder Abend, und die Stimmung ist gut. Irgendwo unterhält sich eine Gruppe von Menschen, einer erzählt:

Der andere Mann »

Ich weiß nicht mehr, wie besoffen ich war, aber ich war sehr besoffen, [...]

Wir hören ihn nicht lange genug, um den Schluß mitzubekommen. Das Mädchen sitzt auf einer Veranda und raucht eine Zigarette. Michael geht an den Lärmenden vorbei auf die Veranda. Sie blickt auf zu den Sternen, er tut es ihr gleich. Er überlegt, ob er sie ansprechen soll. Schließlich tut er es. Er ist sehr schüchtern.

Michael »

Ich weiß nicht mehr, wie besoffen ich war, aber ich war sehr besoffen, und das will was heißen.

Es entsteht eine kleine Pause, sie zeigt zu einem Stern, er blickt kurz hoch, nickt, schluckt, und spricht weiter:

Michael »

Ich bin nämlich gewohnt zu trinken.

Fast versagt ihm die Stimme. Mutig faßt er ihre Hand. Zusammen blicken sie zu den Sternen.

Michael »

Ich glaube, meinen ersten Rausch hatte ich mit 12, ich hab aber noch nie gekotzt.

Langsam wird er sicherer.

Michael »

Nicht mal an meinem 18ten Geburtstag, und ich glaub, ich war noch nie so besoffen wie da.

Sie läßt seine Hand los und geht hinein. Offenbar hat sie kein Interesse an einem weiteren Gespräch. Michael sagt, nachdem sie gegangen ist:

Michael »

Fuck!

Ein anderes Mädchen, das auch auf der Veranda sitzt, blickt ihn schnell an, merkt aber, daß nicht sie gemeint war, und wendet sich wieder ab.


Bild XIV: Die Party I/N

Irgend jemand:

Der andere Mann »

Ich war auf jeden fall tierisch besoffen. Ich war schon auf meinem Zimmer und wollte mir eigentlich nur meinen Rausch ausschlafen, da klopft es plötzlich, und diese Frau steht in der Tür.

Während dem Text sehen wir die zuende gehende Party. Das Mädchen liegt wieder auf der Couch.


Bild XV: Flur vor Michaels Zimmer I/N

Michael ist betrunken. Er versucht, den Schlüssel in das Schloß seiner Tür zu stecken. Es gelingt ihm nicht ganz.

Michael »

Fuck!


Bild XVI: Michaels Zimmer I/N

Michaels liegt schlafend im Bett und horcht plötzlich auf. Irgend jemand versucht, einen Schlüssel ins Schloß zu stecken. Dann geht die Tür auf. Michael kommt herein. Der Michael im Bett blickt den Michael, der hereinkommt, an und sagt:

Michael im Bett »

Besoffen!

Er wendet sich wieder ab. Der stehende Michael macht das Licht an, macht es aber sofort wieder aus, da es ihm wohl viel zu hell ist. Er bemerkt den im Bett liegenden nicht im geringsten. Schließlich legt er sich Schlafen ohne ihn zu bemerken.


Bild XVII: Die Party I/N

Am nächsten Abend geht die Party wieder weiter. Die Stimmung wirkt etwas aggressiver, doch das Mädchen schwebt wie losgelöst durch den Raum.8)8 Michael ist auch da, er blickt ihr nach. Dann wird er von einem Rocker angemacht:

Der andere Mann »

Ich weiß nicht mehr, wie besoffen ich war, aber ich war sehr besoffen, und das will was heißen, ich bin nämlich gewohnt zu trinken. Ich glaube, meinen ersten Rausch hatte ich mit 12, ich hab aber noch nie gekotzt.

Wie zur Betonung der Satzteile stößt der Rocker Michael immer weiter zurück. Nach „gekotzt“ ist er offenbar fertig, doch mit dem letzten Stoß tritt Michael dem Mädchen auf die Füße, dreht sich um und sagt:

Michael »

Fuck!

Sie blickt auf, schaut ihm kurz in die Augen und küßt ihn leidenschaftlich auf den Mund.


Bild XVIII: Die Party I/N

Ein Schieber (z.B. Ethernal Flame) läuft, Michael & das Mädchen tanzen eng umschlungen. Sie flüstern sich gegenseitig in die Ohren und sagen immer wieder:

Michael & das Mädchen »

Fuck, fuck, fuck!

Beide lachen. Plötzlich kommt der Rocker wieder, stößt Michael weg und schreit ihn an:

Der andere Mann »

Nicht mal an meinem 18ten Geburtstag, und ich glaub, ich war noch nie so besoffen wie da. Ich war auf jeden fall tierisch besoffen. Ich war schon auf meinem Zimmer und wollte mir eigentlich nur meinen Rausch ausschlafen, da klopft es plötzlich, und diese Frau steht in der Tür. Meinst du, die hätte gewartet, bis ich ihr ein Glas gebe? Nix da, die nimmt sich die Flasche, und sie saugt daran, bis sie den Korken zwischen den Zähnen hat, den spukt sie mir dann vor die Füße und trinkt die halbe Flasche leer. Ich hab gleich gewußt, daß sie ´s braucht, denn das hab ich noch immer gemerkt, egal wie besoffen ich war.

Ich weiß nicht mehr, wie besoffen ich war, aber ich war sehr besoffen, und das will was heißen, ich bin nämlich gewohnt zu trinken. Ich glaube, meinen ersten Rausch hatte ich mit 12 [...]

Er beginnt, die Geschichte in Endlosschleife zu erzählen und Michael ebenso, er beginnt mit

Michael »

Ich glaube, meinem ersten Rausch hatte ich mit 12.

Das Mädchen steht daneben, die Hände vors Gesicht geschlagen und ruft immer wieder:

Das Mädchen »

Fuck, fuck, fuck.

Die beiden steigern sich immer mehr, bis schließlich der Rocker ausholt und Michael niederschlägt.

Das Mädchen kniet sich zu ihm.


Bild XIX: Michaels Zimmer I->A/N

Das Mädchen bringt Michael herein und legt ihn aufs Bett. Der andere Michael steht noch draußen auf dem Balkon. Sie zieht ihn aus,9)9 deckt ihn zu und gibt ihm einen Kuß.

Das Mädchen »

Fuck.

Michael im Bett »

Aber ich hab noch nie gekotzt.

Sie wendet sich ab, geht auf den Balkon hinaus. Den dort stehenden Michael bemerkt sie nicht. Sie kuckt in die Landschaft und sagt

Das Mädchen »

Fuck.

Michael sagt eben dies, er schmiegt sich an sie und ruft immer wieder:

Michael auf Balkon »

Fuck, Fuck, Fuck

Sie bemerkt ihn nicht, doch plötzlich kommt ein sehr helles Licht vom Himmel.

[

Michael sitzt auf einem der Stühle auf dem Balkon, zündet sich eine neue Zigarette an und raucht sie normal. Drinnen dreht sich Michael im Bett um und schläft auf der Wandseite weiter. Der Michael auf dem Balkon steht auf, greift das Mädchen um die Hüfte und flüstert ihr ins Ohr:

Michael auf Balkon »

Fuck!

]10)10

Sie dreht sich um, wundert sich, faßt an die stelle, wo er geschlagen wurde, blickt ihn ungläubig an und fragt:

Das Mädchen »

Fuck?

Michael auf Balkon »

Fuck!

Und sie küssen sich lange

Romantische Musik

Schluß

© 07/08/2000 Thomas Forster