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von heute

www.philosophie-raum.de

Ursprungsposting

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Mein Posting

Da hat sich also dann so ein Zirkel gefunde, in dem alle der Ansicht sind, daß sie alle – im Gegensatz zu den meisten, die nicht zu diesem Zirkel gehören – „leben“ und „brauchbar“ sind – wenn man dies als Gegensatz zu „überflüssig“ sehen möchte. Und man betont die Gegensätze zu denen, die nicht leben, zu den Überflüssigen. All diese Menschen, die nicht so denken wie ich, die sich darüber definieren, daß sie das gleiche Käppi aufhaben oder die gleiche Hose tragen, die „gestyled“ umherlaufen; und man sieht es ihnen doch an ihrer modischen Frisur an, daß sie niemals Habermas gelesen haben – oder wenigstens die Tibetanischen Totenbücher. Es ist unvorstellbar, daß diese Menschen glücklich sein können, wo sie doch von all dem, woraus ich mein Glück beziehe, keine Ahnung haben.

Und da steht man nun als einziges denkendes Indiviuum an einem Ort voller „Überflüssiger“ und ist einsam. Und man flucht auf die Menschen, die einen einsam machen, weil sie eben nicht Habermas gelesen haben oder gerne über den Sinn des Lebens diskutieren. Und man sieht die Menschen, die zusammengehören, weil sie alle eine Sonnenbrille aufhaben, und man denkt sich, wenn ich auch so eine Sonnenbrille auf hätte, dann hätte ich eine Chance bei diesem Geschlechtspartner, auf den ich schon mein Auge geworfen habe, aber soll ich mich wirklich über eine Sonnenbrille definieren? Und man ist der Einsame Rufer in der Wüste.

Man trinkt zu viel und bleibt bis zum Schluß in der Hoffnung, daß man vielleicht doch noch angesprochen wird, was natürlich nicht passiert, man wankt nach hause, man schläft seinen Rausch aus. Am nächsten Tag wache ich auf, weil ich dringend pissen muß, und ich wanke mit halbgeschlossenen Augen ins Klo, setze mich auf die Schüssel und stütze meinen Kopf in meine Hände, während ein Strahl Pisse wie aus einem Hochdruckreiniger aus mir herauspresst. Und ich denke, daß sich in meinem Leben etwas ändern muß, und ich habe das Gefühl, daß sich schon etwas geändert hat, aber ich kann es noch nicht greifen. Ich gehe zurück in mein Zimmer, setze mich aufs Bett und bemerke, daß sich mein Zimmer verändert hat. Da, wo ich gestern noch meine Bücher hatte, hängt jetzt ein großer Spiegel, da wo ich gestern Habermas liegen gelassen habe, liegt nun eine Playstation. Ich möchte mich anziehen, aber ich finde meinen Kleiderschrank nicht. Da entdecke ich ihn, verborgen hinter einem überdimensionalen Poster von „Catwoman“, und als ich ihn öffne ist er voll von H&M-Mode der neuesten Kollektion. Ich beschließe, die Dinge jetzt einfach zu nehmen, wie sie kommen, da offensichtlich etwas passiert ist, aus dem ich eh nicht schlau werde, und ich wundere mich noch etwas über diesen resignierenden Gedanken, aber ich denke mir einfach „Ach, Scheiß drauf“.

Ich such nach nem cuhlen Autfitt, nich so owersteilt, sin ja Kumpels, und geh mal los, bin ja eh schon zu spät. Und im Kaffee an der Ecke warten die Kumpels. Die glotzen alle, weil ich so schick gedreßt bin, aber ich tu so als wenn ich nix merken würd. Die sin grand in nem total krassen Tohk üba Gott oda so, aba ich kapiers nich richtig, weil se ständig so komische Wörter nehmen. Und dann sagt diese Schlampe zu mir: „Würdest du deine Existenz eher als deontologisch oder als teleologisch bezeichnen?“, und ich weiß nich, was sie will, ich sag nur „Hää? Du ju spiek mei Längwitsch?“. Da schaunse alle, als hätt ich was verbrochen, die Schlampe mit der blöden Frage muß lachen, und ich komm mir vor, als hätt ich beim Vorstellungsgespräch gepfurzt. Son Typ mit ner Scheißbrille und Schuppen auf seim Tischört tut einfach so wie wenn ich nich da wäre, tut einfach so, als hätte die Schlampe ihn gemeint, oh Scheiße, das is genau wie in da Schule, wenn ichs nich gewußt hab, fack! Aba wir sin nich mehr in da Schule, und ich steh auf und hau ihm eine, nich fest oder so, aber der soll merken, daß ich da bin. Und ich sag: „Äi, Sie wollts von mir wissen, nich von dir, mußt dich schon hinten anstellen!“ Aber er schaut mich wieder so komisch an, und die Schlampe lacht noch mehr. Ich geh zu ihr hin und sage ihr: „Für dich würde ich auch theologisch existieren“, weil das zieht immer, du mußt nur die Wörter nehmen, die du nich verstehst, und machst ne Anmache draus, dann wird sie rot und fragt nicht weiter. War in der Schule auch so.

Aber jetzt brüllt sie richtig vor lachen, und die anderen auch, und ich kleb ihr eine und hau ab. Schrei noch: „Euch hat man doch ins Hirn geschissen!“ und bin weg.

Ich lauf so durch die Gegend, bin noch scheißwütend, warum haben mich die so verarscht? Echt voll pubertär. Geheimsprache, hi hi, wie witzig, konnt ich schon früher nich ausstehen. Sag doch einfach, was du willst, dann kriegste auch ne Antwort, und keine geschmiert. Oh fack, ich hätt sie nich schlagen solln, war eigentlich ganz hübsch.

Und dann hör ich dieses Donnern, und ich weiß was fürne Maschine da steht. Direkt vor nem Kaffee, und ich geh rüber und kuck mir die Maschine an. Der Typ istn echter Hintern, son fetter Rocker, und seine Alte is wirklich ne alte, aber die Maschine is echt krass. An nem Tisch im Kaffee sitzen zwei Bräute und kuckn auch, und reden wie geil so ne Maschine is.

„Ich hab auch so eine, aber voll getjunt. Hab selba Drachen und so draufgespräit und die Gabel verlängert.“ Ich texte halt voll auf, stimmt alles nich, aber versuchen muß mans einfach.

Nach ner halben Stunde sind wir beim Passbildervergleich, und ich kuck, wo die blonde wohnt. Da kenn ich nen guten Schuppen in der Nähe.

Nach ner halben Stunde sag ich, daß ich noch in diesen Schuppen will, die Blonde sagt, daß der geil ist, und daß sie da heut auch hinwill. Ich sag nur „Sieja“, steh auf und bin weg.

Muß mich richtig aufsteilen, muß ja mit ihr mithalten können. Und das Kettchen mit dem Kreuz muß auch mit, auf Kirche und Hochzeit und so stehen Frauen voll.

Bin zu früh dortn und quatsch noch mit dem Dietschäi, cuhl Gahi, Mann, verstehn uns, kann ihn ihr nachher vorstellen. Kommt gut.

Sie kommt mit ihrer Freundin, die nochn Typen dabei hat, son Student mit Brille oder so, scheint aber oukäi zu sein. Ich lad sie aufn Caipi ein, und wir dänzen, und dann gehn wa raus und kiffen einen und fummeln n bißchen, und dann sind wa wieder drin, und ich seh son Typen wie er meine Alte anglotzt. Son Langweiler, sieht so aus wie der Typ mit den Schuppen auf dem Tischört, und sieht so aus wie wenna gleich abspritzen würde wenn er meine Alte nur anglotzt.

Ich sag ihr, daß ich gesehen hab, wie der Typ seine Hand in die Hose gesteckt hat, und wie er sie angeglotzt hat und frag sie, ob sie auf so was steht, und sie spuckt auf den Boden, und ich sag ihr, daß sie ihn auf den Parkplatz locken soll, und wir ihm da zeigen, daß das so nicht geht. Machn wa auch, und ich knall ihmn paar, die er sich merken wird.

Sie will heim, und ich komm natürlich mit. Sie hat n Haufen Kerzen, und weil sie die im Wohnzimmer anzündet denk ich mir, daß sie noch n bißchen reden will.

Wir fleezen uns zusammen aufs Sofa, jeder n Wein in der Hand, und sie fängt von dem Typen vorhin an, und daß es sie ankotzt, wenn jemand immer nur träumt anstatt zu leben.

„Ich mein, wer braucht denn jemanden, der in nem geilen Club nur rumsteht und Frauen angafft? Ich mein, warum sterben die nicht einfach aus, oder so?“

Ich hör zu und sag „ja“, wenn ich glaube, daß es passt, oder auch „nein“, aber ich schau ihr in die Augen und auf die Titten und die Beine und so. Ich halts kaum noch aus, aber sie redet sich gerade warm.

Und irgendwann sagt sie: „Ich meine, bist du nur auf der Welt, weil du irgendein Ziel hast? Hat dir irgendwer gesagt: Und du, komme auf diese Welt, um ein @!?&! zu sein. Du sollst Frauen in Diskos anglotzen und dein Leben lang davon träumen, eine anzusprechen? Das kann doch nicht der Sinn des Lebens sein!“

„Ne, wohl eher nich.“

„Aber wenn das keinen Sinn hat, warum sind die dann da? Oder meinst du, wir sind einfach nur da, um da zu sein. Ohne daß das einen Sinn ergibt?“

Mein Stichwort, die Frage, ich weiß, wie ich sie beantworten muß.

„Ich bin hier, um bei dir zu sein. Und das ist doch sinnvoll, oder?“

Ich warte nicht auf eine Antwort, sondern küsse sie, und weiß, sie hat die ganze Zeit nur darauf gewartet.

 

 

„Ja und weiter?“

„Na, den Rest kannst du dir doch vorstellen, oder?“

„Ihr habt es also getrieben.“

„Der Gentleman genießt und schweigt.“

„Und dann bist du heute morgen aufgewacht, und alles war wieder normal, außer das du aussieht, als wärest du unter einen Bus gekommen.“

„Tja, so siehts aus.“

„Klingt als wärest du in Wirklichkeit der Typ in der Disko gewesen, von dem du behauptest, du hättest ihn verprügelt.“

Ich denke kurz nach, dann winke ich ab: „Kollateralschaden!“