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Was haben wir eigentlich davon wenn wir an einen Gott, an eine bestimmte „Religion“ glauben?
Hi derdiedas
Da diese Diskussion gerade zu einer Diskussion über die Todesängste mutiert, möchte ich nochmal von vorne beginnen, und deine Frage in zwei Grundlegende Teile trennen. Du stellt deine Frage so, als implesziertest du eine Gleichstellung von „Gott“ und „Religion“. Die Religion geht sicher auf das entstehen der Kultur zurück, aber ich denke, daß der Glaube an Gott wesentlich älter und in seinem Wesen absolut unterschiedlich ist. Ich denke auch nicht, daß die erste Idee eines Gottes aus der Frage kommt: „Mama, wo ist Oma jetzt?“ Das „über diese Welt hinausdenken“ ist meiner Meinung nach wesentlich älter.
(Wohlgemerkt, all dies ist natürlich meine persönliche Ansicht als fehlbarer Mensch, hat jemand Artikel, die dem wissenschaftliche Fakten entgegenstellen können, so würde es mich freuen, mein Wissen an ihnen zu bereichern).
Gott ist für mich vielmehr ein Begriff für „das was die Welt im Innersten zusammenhält“. Der Mensch glaubte, daß es etwas seiner sich entwickelnden Logik (verstanden als abstraktes Denken) entsprechendes gäbe, was auch über die Welt herrscht (Mensch als Abbild Gottes, alle anthropomorphen Gottesbilder). Mit zunehmender Logik wurden diese Gottesbilder auch immer logischer (z.B. der schon recht abstrakte Gottesbegriff im Judentum inklusive Bilderverbot. Gott ist die Logik der Schrift). Im Mittelalter giff man in Europa wieder verstärkt auf ein anthropomorphes Gottesbild zurück, einhergehend mit Judenverfolgung und Repressionen der Naturwissenschaften. Heute findet diese Logik wohl ihren bisherigen Höhepunkt in den modernen Naturwissenschaften, die ja irgendwo auch auf der Suche nach dem „was die Welt im innersten zusammenhält“ sind. Sie nennen das dann „Weltformel“ und postulieren gleichzeitig, daß sie wohl nicht erkennbar sei (wohl aber „theo“-retisch wirken müsse). Es ist wohl aufgrund des Starken Rückfalls des Gottesbildes bis hinein in 18. Jahrhundert nur sozusagen „unmodern“ geworden, dies Gott zu nennen, weil man sich stark vom Gottesbild der christlichen Kirchen abwenden wollte. Heute, unter Menschen, die mit diesem Gottesbild nicht mehr aufgewachsen sind, findet man wieder verstärkt solche, die sagen, es gäbe Gott und als Grund unter anderem die Weltformel nennen. Wobei sie nur dem Gottesbild, daß heute dem Stand der Logik entspricht, wieder diesen ihm zustehenden Namen geben. Mit Namen ist das aber so eine Sache, und Sprache ist subjektiv, deshalb kommt es da im Moment verstärkt zu Mißverständnissen. (Hab ich mir so ausgedacht. wie gesagt, gegenargumente sind stehts sehr willkommen)
Noch etwas zu Grabbeigaben: Ich halte es für voreilig, aus Grabbeigaben automatisch auf einen Glauben an ein Leben nach dem Tod zu schließen. Es ist wohl eher als ein Zeichen der Wertschätzung zu sehen, wenn ich einem verdientem Krieger mit seiner Lieblingswaffe bestatte (was auch immer bestatten gemeint haben sollte). Und ebenso könnte man es als einfache Wertschätzung betrachten, wenn andere etwas aus ihrem Besitz in das Grab legten. Man kann sich vorstellen, daß ein möglicher Nachfolger eines gestorbenen Stammesoberen ein sehr wertvolles Stück ins Grab legte, um dem Stamm deutlich zu machen, wie nahe ihm der Verstorbene stand. Das gleiche Verhalten kann man heute noch bei jeder Beerdigung verfolgen, wenn man sich die verschiedenen Kränze anschaut.
Warum also die Angst vor dem Tod? Pauschal möchte ich hier sagen, daß dies wohl wirklich eine Erfindung unserer sehr machtbewußten Mitmenschen ist. Und sie funktioniert immer nach dem Schema: „Ich erzähle dir eine ganz schlimme Geschichte, was passieren wird, wenn du stirbst. Aber siehe da: Wenn du tust, was ich dir sage, dann wird es dir gut gehen.“ (Man füge hier an: „Also iß endlich deinen Spinat“). Dies funktioniert auch dann, wenn sich der andere noch nie Gedanken gemacht hat, was wohl nach seinem Tod passieren könnte. Das Erziehung dann am besten funktioniert, wenn sie den Tod ins Spiel bringt, sehen wir z.B. an der Verkehrserziehung, die bei Kindern immer die Aussage mitschwingen läßt: „Tu das, sonst bist du tot“. Das hat ja auch bei einer erstaunlichen Mehrheit der Bevölkerung geklappt.
Gott seins gedankt, getrolmmelt und gepfiffen
Und um deine Frage „Brauchen wir einen Gott?“ zu beantworten: Ja.
Vendetta